Dieter Rois


Zuerst möchte ich mich kurz vorstellen und ein wenig über meine letzten Jahre erzählen. Mein Name ist Dieter Rois aus
Gau-Algesheim in der Nähe von Mainz. Im Juni 1965 bin ich geboren und im Juli 1997 kahm mein Sohn auf die Welt. Seit 2008 bin ich geschieden und mein Sohn lebt bei seiner Mutter. Ich bin gelernter Elektriker und arbeite hauptberuflich als Techniker in der Wartungs- und Serviceabteilung in einer Brandschutzfirma in Mainz. In meiner Freizeit helfe ich gerne überall wo alle mögliche handwerkliche Hilfe benötigt wird. Ich bin bekennender Christ und lebe Gottes Liebe bei den Menschen.

Im Herbst 2005 habe ich beim Alpha Kurs in der Christus Gemeinde Gau-Algesheim Jesus kennengelernt und mich entschieden mein Leben mit ihm zu gehen.
Im April 2006 ließ ich mich in Jesus Namen Taufen und bekannte damit vor der Welt meinen Weg mit ihm. Dann begann für mich ein erst mal turbulentes Leben. Ich fiel in tiefe Depressionen von denen ich nicht mehr heraus zu kommen schien. Doch Ende 2006 wendete sich das ganze und ich merkte langsam wie Gott mir Heilung gab.
Das ganze dauerte bis Juni 2007 an und ich merkte während dieser Zeit wie ich Schritt für Schritt mit Gottes Hilfe wieder ich selbst wurde. Von Juni bis August 2007 war ich dann 10 Wochen in einer psychosomatischen Reha, wo ich sehr viel mit Jesus erlebte und auch meine ersten Bekanntschaften mit dem Ruf in die Mission hatte, die ich damals nicht deuten konnte.

Während dieser Zeit verspürte ich eine Reise nach Israel zu unternehmen. Dieser Ruf war nicht irgendein Ruf bei dem ich dort im heiligen Land einfach nur Urlaub machen und als Christ dort gewesen sein sollte, sondern es steckte mehr dahinter.
Dieses „mehr“ konnte ich aber damals auch nicht (noch nicht) definieren. Ich suchte also im Internet nach einem Reiseveranstalter der eine solche Reise anbot. Gleich der zweite Link bei der Suche sprach mich total an und ich merkte sehr stark „Das ist es!“
Ich fing an die Reise zu buchen und alles vorzubereiten. Das Visum usw. machte alles überhaupt keine Probleme, alles lief wie auf Schienen und dann war es endlich soweit. Im Oktober 2007 trat ich dann meine Reise nach Israel an. Sie stand vom Reiseveranstalter unter dem Motto „Mit der Bibel durch das Land der Bibel“.
Es war sehr aufregend auf Jesus Spuren durch das Land zu reisen und dabei an den markanten Stellen auch die passenden Texte aus der Bibel zu lesen und eine kurze Andacht zu haben.

Bei der Vorstellungsrunde unserer Reisegruppe erzählte ich, wie ich zu dieser Reise gekommen war und das ich nicht wusste warum ich sie machen sollte.
Bei einem Besuch in Bethlehem in dem Missionswerk „Beit al Liqa“ geschah dann etwas für mich damals seltsames.

Das Leiterehepaar dieses Missionswerks stellte die Arbeit die dort verrichtet wurde vor, zeigte Bilder und erzählte sehr viel davon. Am Ende dieses Vortrags sagten die beiden dass sie noch Mitarbeiter für ihren Auftrag brauchen würden und sich freuen würden wenn man diese Arbeit unterstützen könnte. Dieser Vortrag, diese Worte und Erzählungen der beiden haben mich sehr berührt und ich merkte irgendwie eine Veränderung in mir selbst. Nach diesem Vortrag des Leiterehepaares kamen mehrere mitreisende unserer Reisegruppe auf mich zu und sagten zu mir: „Dieter, damit warst du gemeint!“ „Dieter, damit hat unser Herr dich gemeint!“ Ich war total verwirrt und brauchte erst mal eine halbe Stunde für mich um nachzudenken und zu beten, die ich in dem wunderschön angelegten Garten dieser Missionsstation verbrachte. Zurück bei der Gruppe, fragte ich bei dem Leiterehepaar nach, wie man diese Arbeit unterstützen könnte und was man tun müsste um dort auch mitzuarbeiten. Sie sagten mir alles was ich wissen sollte und so fuhr ich wieder von dort weg. Ich hatte dann auf dem Rest der Reise noch viele Gespräche mit mitreisenden, die immer wieder diesen Ruf bestätigten und auch ihre Unterstützung anboten, in Deutschland ein Missionswerk zu finden.

Wieder zurück in Deutschland hielt ich einen Vortrag mit Bilderpräsentation über diese Reise in meiner Gemeinde. Dann vergingen erst mal ein paar Monate in denen ich nicht weiter auf diesen Ruf einging, da ich Beruflich eine Veränderung durchmachte und somit viel neues zu tun hatte. Doch eines Tages ende November 2007 bekam ich einen Brief von einem Ehepaar, das auf der Reise in Israel mit war. In diesem Brief war die Adresse des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes aki (Arbeitskreis Israel) in Deutschland mit Ansprechpartner und allen möglichen Informationen. Ich dachte ich träume, freute mich sehr über diesen Brief, aber leider kümmerte mich wieder nicht mehr intensiver weiter darum.

Dann im April 2008 bekam ich eine E-Mail aus der Gemeinde „Christus für alle“ in Bielefeld von dem Pastor Ewald Zelmer. Er schrieb das er mit meiner Pastorin Inga Haase über eventuelle Mitreisende nach Kasachstan gesprochen hat und sie ihm von mir erzählt hat. Er schrieb weiter dass er mich gerne auf dieser Reise dabei haben möchte und ich mich bei ihm melden soll. Jetzt hatte ich den dritten Ruf bekommen und dachte mir, dass ich jetzt doch reagieren sollte. Ewald war schon sehr oft in Kasachstan, hat sehr gute Verbindungen zu Gemeinden vor Ort und kennt dort Land und Leute sehr gut.
Ich setzte mich mit Ewald in Verbindung und er freute sich das ich mitkommen würde. Bei einem Treffen aller Mitreisenden erzählte er mir, dass er diesmal die Gruppe ohne seine Überlegungen zusammengestellt hatte – er fragte Gott und sagte dass er die Gruppe zusammenstellen soll. Und dabei wurde ihm mein Name gesagt. Irgendwie Seltsam! Also gut, ich trat dann Ende August 2008 meine Reise nach Kasachstan an. Das war meine erste Missionsreise. Die ganzen zwei Wochen waren dann überwältigend. Ich merkte jeden Tag mehr, wie Gott mich rief und wie er mir diesen Auftrag in mein Herz legte. Ab dieser Reise war auch für mich sehr klar, dass ich in die Missionsarbeit gehen werde. Was nur da noch nicht so klar war, wann es so weit sein wird.

Ungefähr zur gleichen Zeit bekam ich von Geschwistern in der Gemeinde den Tipp, mich bei Jean-Pierre Rummens von Feed the Hungry zu melden, denn er sucht jemanden der mit ihm einen Notarztwagen nach Pakistan bringt. Ich war von einer solchen Aufgabe total berührt und meldete mich bei ihm. Leider wurde dann aus dieser Fahrt für mich nichts, aber ich sollte später erfahren warum das so sein sollte.
Ich habe mir dann auch bei Feed the Hungry auf der Webseite das Anmeldeformular heruntergeladen, auf dem man angeben kann das man gerne bei Einsätzen mitmachen will. Ich füllte dieses Formular aus und schickte es an Feed the Hungry. Jetzt war ich dort in der Kartei vorgemerkt und könnte, wenn es benötigt wird zu Einsätzen, oder Missionsreisen mitfahren.

Nach meiner Kasachstan reise hielt ich auch wieder einen kurzen Vortrag mit Bildern in meiner Gemeinde und die Leute waren wieder sehr begeistert über diese Arbeit. Ich holte dann immer wieder Informationen über Missionswerke in Deutschland ein und machte einmal auch eine Kleideraktion in der Gemeinde. Die gesammelten Kleider brachte ich dann nach Nidda zum avc Missionswerk, die diese dann an Bedürftige nach Afrika brachten.
Ich sprach dann Anfang 2009 mit meinem Pastor über meinen Ruf und erkundigte mich bei ihm wie er es sehen würde und was ich weiter machen könnte. Er sagte mir dass ich nachsehen sollte und versuchen soll eine Verbindung zu einem Missionswerk aufzubauen. Also machte ich mich auf die Suche und dachte als erstes an das Missionswerk HCI (Hope for the Children International), das ich schon früher auch bei meiner Suche im Internet gefunden hatte. HCI ist ein Missionswerk, das in Rumänien ein Kinderdorf aus dem Nichts aufgebaut hat und immer wieder tatkräftige Unterstützung im Handwerk braucht. Ich nahm Kontakt zu der Leiterin des Missionswerkes per E-Mail auf und bekam prompt Antwort.

Im Februar 2009 fand in Rüsselsheim in einem Lokal eine Infoveranstaltung vom HCI statt. Ich fuhr auch zu dieser Veranstaltung um mehr in Erfahrung zu bringen. Dabei passierte etwas Seltsames, dass meine Weichen für die nächste Zeit stellte.
Die Leiterin hielt den Vortrag über ihre Arbeit in Rumänien und zeigte dabei sehr viel Bilder und einen kurzen Film. Dabei wurde unter anderem vermittelt, dass dort im Kinderdorf eine Schule gebaut wurde, in der die Kinder aus dem Kinderdorf sowie auch aus der ganzen Umgebung eine kostenlose Schulausbildung bekommen konnten, das sonst in Rumänien nicht so der Fall ist.
Am Ende des Vortrags war dann Raum um Fragen zu stellen. Dabei wurde die Frage gestellt, was denn in diesem Jahr (2009) dort vor Ort alles an Handwerker gebraucht wird. Es wurden mehrere Berufe aufgezählt, unter anderem auch, dass zwei Elektriker dringend benötigt werden.
Ich sagte da, ohne nachzudenken, ganz spontan: "OK, EINER SITZT HIER!“ In dem Moment wusste ich selbst nicht was ich da jetzt gesagt hatte und war über mich selbst sehr verwundert.
Die Leiterin sprach mich an und wir setzten uns nach der Veranstaltung zusammen und sprachen über alles. Das Ergebnis war, dass ich Anfang März nach Rumänien flog um zu sehen was alles gemacht werden musste und was für Material benötigt wird.

Nachdem ich das alles gemacht hatte, fuhr ich dann Ende Mai 2009 für 4 Wochen nach Dorohoi in Rumänien in das Kinderdorf um die Elektroinstallation im ersten OG in der Schule zu machen. Das war jetzt meine erste, selbst geplante und organisierte Missionsreise und es war für mich sehr aufregend und ich war auch ein wenig unsicher, ob denn auch alles klappen würde. Gemeinsam mit meinem Bruder Kevin Waida aus meiner Gemeinde konnten wir in drei Wochen die ganze E-Installation im ersten OG der Schule fertig stellen. Es hat einfach alles vom ersten Tag an ohne Probleme und sehr gut geklappt und ich danke unserem Herrn Jesus Christus dafür von ganzem Herzen. Dann, wir hatten ja noch eine Woche Zeit, bauten wir noch eine Kühlzelle für die Küche der Schule auf und bauten verschiedene Sachen wie Sandkiste, Schaukel, usw. für die Kinder und reparierten Fahrräder und Spielsachen.

Jetzt wusste ich auch, warum ich nicht mit dem Notarztwagen nach Pakistan mitfahren sollte.

Während dieser Zeit, diesen 4 Wochen hatte sich eine gewisse Bindung zu den Betreuern und Kindern in dem Kinderdorf aufgebaut. Ich hatte Sonntags nach dem Gottesdienst und dem sehr guten Mittagessen immer mit den Kindern gespielt und herumgetollt. Einmal hatten wir ein Lagerfeuer gemacht und ich erzählte eine Geschichte. Ich konnte da erleben wie sehr sich Kinder freuen können, zumal sie solche Aktionen nie machen konnten. Jeden Tag wenn ich von der Arbeit in der Schule in meine Unterkunft auf dem Gelände ging kamen die Kinder schon gelaufen und fragten ob ich dann noch zu ihnen komme um wieder mit ihnen irgendwelche Spiele zu machen, z.B. Fußball spielen, Basketball spielen, nachlaufen, verstecken, usw. es war dann so, dass ich jeden Tag erst den ganzen Tag in der Schule arbeitete und mich dann noch ein paar Stunden mit den Kinder beschäftigte. Es war einfach eine wunderbare Zeit und ich merkte Tag für Tag mehr, wie sehr die Kinder so etwas brauchten. Sich brauchten einen Mann, einen „Vater“ der sich mit ihnen beschäftigt und der für sie da ist, den in dem Kinderdorf gibt es nur Frauen die sich um die Kinder kümmern.
Ich ging dann Abends auch jeden Tag noch eine gute Stunde in der nähren Umgebung spazieren und traf dort jeden Tag hinter dem Gelände auf dem freien Feld einen einheimischen Schäfer der seine Schafherde langsam wieder nach Hause trieb. Nach ein paar Tagen winkte mir der Schäfer schon von weitem zu wenn er mich kommen sah. Es war seltsam, aber wir verstanden beide kein Wort – er nicht Deutsch oder Englisch und ich nicht Rumänisch – aber trotzdem verstanden wir uns und standen oft eine ganze Zeit lang nebeneinander und schauten der Herde zu. Auch hier hatte sich irgendwie eine gewisse Bindung aufgebaut.
Doch die 4 Wochen waren dann auch wieder um und ich musste die Heimreise antreten. Ich merkte mit welchem schweren Herzen ich dann nach diesen vier Wochen wieder Abschied nehmen musste und nach Deutschland zurückfuhr. Wobei das nicht die letzte Reise dort hin sein sollte. Ende August 2009, diesmal flog ich wieder, reiste ich wieder für 10 Tage dort hin und konnte da viele Restarbeiten und ausmeisterarbeiten erledigen.

Im Dezember 2009 wollte ich dann bei der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“, die für die Kinder in der ganzen Umgebung von Dorohoi vom HCI gemacht wird mitfahren. Leider wurde daraus nichts, da ich Anfang November 2009 an der Bandscheibe operiert wurde. Aber es sollte noch Möglichkeiten im nächsten Jahr dafür geben.

Das nächste mal fuhr ich dann wieder mit dem Auto im Juni 2010 nach Dorohoi. Diesmal sollten es auch wieder vier Wochen sein, in denen ich eine Menge Arbeiten ausführen konnte, mit denen den Menschen dort und den Kindern sehr viel geholfen ist. Da war ein Umbau im Kindergarten des Kinderdorfes, damit mehr Kinder dort betreut werden können, die Abänderung der Feueralarmanlage in der Schule damit sie richtig funktioniert, der Aufbau der Einzäunung des ca. 10ha großen Geländes, die Montage der zwei Stahlfluchttreppen im Außenbereich der Schule, die Reparatur der Solarheizung auf einem der Wohnhäuser, und noch vieles mehr. Auch mit den Kindern konnte ich viel machen, wie Fußball spielen, ein Lagerfeuer mit Grillwurst und Lagerfeuergeschichten, sowie verschiedene andere Unternehmungen die den Kindern viel Freude machten.
Und auch da fuhr ich wieder sehr schweren Herzens Ende Juni zurück nach Deutschland, mit dem Wissen, dass dort in dem Kinderdorf noch sehr viele Arbeiten gemacht werden müssen und auch mit dem Wissen wieder zu kommen. Ende September fuhr ich wieder mit dem Auto für 10 Tage dort hin und konnte auch da wieder sehr viele Arbeiten erledigen und viele Infos sammeln und in Erfahrung bringen, die für den nächsten Einsatz, auch für andere Helfer, wichtig sind.
Bei diesem Aufenthalt konnte ich ein mal auf eine Evangelisations Veranstaltung des Kinderdorfes in einen Nachbarort mitfahren. Es war eine Veranstaltung von Kinder für Kinder. Da gab es Lobpreis, eine kurze Predigt und es wurden mit den Kindern die gekommen waren ein paar Spiele gespielt. Am Ende der Veranstaltung wurden noch kleine Päckchen mit einer kleinen Schokolade und Bonbons verteilt. Jedes Kind bekam so eine kleine Tüte. Ich merkte auch hier wieder wie sehr sich diese Kinder freuten und wie sie eine solche Zuneigung und das Zusammensein genossen. Das sind Dinge, die diesen Kindern total fehlen, die sie nirgends bekommen, die ohne dieser Liebe aufwachsen.
Ich freue mich schon jetzt sehr auf meine nächste Reise nach Dorohoi in Rumänien, um dort zu helfen und Gottes Liebe auf diese Weise weiter zu geben. Für mich ist das jedes mal sehr erbauend und es macht mir viel Freude, sehen zu können wie sich die Menschen und Kinder dort über jede Hilfe die sie bekommen freuen und das Strahlen in den Kinderaugen ganz groß wird. Obwohl das alles immer in meinem Urlaub, ich opferte meinen Jahresurlaub, stattgefunden hat, fühlte ich mich nach den Reisen immer total erholt, als ob ich Urlaub gemacht und am Strand gelegen hätte.

Ich habe dort sehr viel Elend und Armut gesehen und kennengelernt. Und es tut mir im Herzen weh, wenn ich dort Kinder im Alter von ca. 6-12 Jahren (auch älter) auf der Straße sehe, die nichts zu essen, kein Dach über dem Kopf, keine Möglichkeit sich zu waschen oder duschen, kein Zu Hause, keine Eltern die sie liebevoll in den Arm nehmen, keine Klamotten haben außer das was sie am Körper tragen, …. Kinder, die all das nicht haben und zum Teil nicht kennen.
Jedes mal wenn ich dort bin und in den Einkaufsmarkt fahre, stehen Kinder in diesem Alter schon am Auto bevor man aussteigt und betteln um etwas zu essen. Ich kaufe dann immer auch Wurst, Brot und etwas zu trinken und verteile das dann an diese Kinder.

Bei einem dieser Einkäufe erlebte ich etwas, was mir nicht mehr aus den Gedanken geht. Ich fuhr auf dem Parkplatz an und da kam ein Mädchen von ca. 7-8 Jahren an mein Auto. Ich musste natürlich erst einkaufen gehen damit ich ihr etwas geben konnte. Ich kaufte dann eine Stange Wurst, ein Weißbrot und einen Liter Orangensaft. Das ganze kostete umgerechnet ca. 2,50-3 Euro. Wieder draußen auf dem Parkplatz war das Mädchen weg. Ich schaute mich überall um, konnte es aber nicht mehr sehen. So dachte ich, OK auf dem nächsten Parkplatz stehen bestimmt auch wieder Kinder, dann bekommen die diese Sachen und fuhr langsam weg. Nach ca. 300 Meter fahrt sagte etwas in mir, dass ich zurückfahren soll denn das Mädchen ist noch dort. Ich wendete sofort – ein anderer Autofahrer hupte mich noch an weil er sich wahrscheinlich behindert fühlte – und fuhr auf den Parkplatz vor dem Einkaufsmarkt zurück. Tatsächlich, das Mädchen war wieder da. Ich parkte mein Auto, wartete einige Momente und konnte beobachten, wie ein einheimisches Paar den übervollen Einkaufswagen in ihr Auto einlud, das Mädchen daneben stand und von den beiden überhaupt nicht beachtet wurde. In mir kochte etwas hoch und mein Kloß im Hals wurde immer dicker. Dann schaute das Mädchen kurz zu mir herüber und ich winkte ihr das sie herkommen sollte. Als sie dann neben meinem Auto stand gab ich die Einkaufstüte mit Sachen raus und sagte zu ihr „Isus te iubeste“ das heißt „Jesus liebt dich“. Sie schaute mich mit großen leuchtenden Augen an und lächelte ein wenig. Dann ging sie langsam vom Auto weg und schaute neugierig in die Tüte und ich fuhr langsam wieder los. Plötzlich lief das Mädchen ganz aufgeregt zwischen den anderen parkenden Autos durch wieder zu mir. Ich hielt nochmal an und das Mädchen kam an mein Fenster, beugte sich herein, umarmte und drückte mich ganz fest. Ich sah wie an ihren verschmutzen Backen Tränen herunterliefen und wie ihre Augen vor Freude tanzten. Dann ging sie langsam weg, drehte sich immer wieder um und winkte mir noch lange hinterher. Ich selbst fuhr wieder zurück in meine Unterkunft auf dem Kinderdorfgelände und mir kamen bei dem Gedanken an das eben erlebte auch die Tränen. Tränen vor Schmerz, dass ich nicht jedem Kind dort helfen kann. Dieses eine Mädchen hat mit den gekauften Sachen wahrscheinlich eine gute Woche etwas zu essen, etwas zum Überleben.
Zu Hause in meiner Unterkunft beim Abendessen legte ich mir zwei Scheiben Wurst auf mein Stück Weißbrot und dachte dabei an das Mädchen und die vielen anderen Kinder dort. Dabei sagte ich zu mir „Nein, eine Scheibe Wurst auf dem Brot reicht auch aus. Das ist wieder ein kleines Stück, was ich an einem der nächsten Tage einem dieser Kinder geben kann.“

Leider, und das tut noch mehr weh, kann ich nicht jedem Kind immer etwas geben, denn dafür reicht mein Geld nicht. Und deshalb hoffe und bete ich das unser Herr Jesus Christus dabei Hilft, damit es den Kindern dort ein wenig besser geht. Und wenn es auch nur ein oder zwei Kinder sind, denen geholfen werden kann, dann sind das zwei Kinder, die nicht auf der Straße leben müssen, die nicht auf der Müllhalde nach essen suchen müssen, die vielleicht ein Dach über ihrem Kopf haben und auch von jemanden in den Arm genommen werden und liebevoll gedrückt werden.

Von 2011 bis 2013 fuhr ich ca. alle 3 Monate nach Brosteni in ein Kinderheim um dort zu helfen. ich habe dort diverse handwerkliche Arbeiten verrichtet und so dem Kinderheim, den Kindern dort viel geholfen. Dabei war es die Hilfe beim Streichen der Zimmer, der Flure und des Treppenhauses. Oder beim graben von den Fundamentlöchern für die Überdachung des Brennholzes für den Winter, beim abholen von Mais aus einem Lagerraum in einer ca. 70km entfernten Stadt. Bei allen möglichen und nötigen Arbeiten habe ich mitgeholfen und so ein Stück der Liebe Gottes zu den Kindern und auch den Mitarbeitrn und Menschen dort bringen dürfen.
Während dieser zeit hat es sich auch ergeben, dass ich anfing hier in Deutschland Kleidung, Schuhe, Lebensmittel und diverse andere Sachen zu sammeln und zu den bedürftigen Menschen dort zu transportieren und zu verteilen. Zum Beispiel im Februar 2012 bei dem extremen Schneechaos in Ostrumänien (unter anderem auch in Brosteni) konnte ich nach einem Spendenaufruf für Lebensmittel einen Transport von ca. 1000 kg Lebensmittel nach Brosteni bringen. Weiters konnte ich hier in Deutschland drei Rollstühle für zwei junge Frauen und einen älteren Mann in Brosteni gespendet bekommen und diese dort den Menschen überreichen. Und es war noch vieles mehr, dass hier gespendet wurde und das ich dort hin bringen konnte.
Im Sommer 2012 konnten wir mit 20 Jugendlichen aus unserer und einer Gemeinde in Frankfurt das Sommermissionscamp in Brosteni verbringen. Bei diesem Camp konnten wir den Kindern aus dem Kinderheim auf dem eigenen Heimgelände einen Spielplatz mit Schaukeln, Rutsche, Klettergerüst, Sandkasten und Sitzgelegenheiten mit Tischen einrichten. Das kleine Stück Gelände war vorher total mit Unkraut verwuchert und mit Abfall, Steinen und Müll versehen. Es war eine sehr große Freude und Bereicherung für alle, dass wir so etwas dort machen konnten. Dabei sind viele Freundschaften unter den Kindern dort und unseren Jugendlichen entstanden und auch meine Bindung zu den Kindern dort ist viel enger geworden. Nicht nur die Freundschaften zu den Kindern ist entstanden, auch eine Partnerschaft zwischen einem unserer männlichen und einem unserer weiblichen Mitarbeiter ist enstanden. Diese beiden werden 2014 heiraten.
Ich selbst habe dort in dem Kinderheim meine jetzige Partnerin kennen gelernt. Das heißt nicht in dem Kinderheim, sondern hier in Deutschland. Carmen wollte im Juni 2012 für drei Monate nach Österreich gehen um zu arbeiten. Kurz vor Ihrer Abreise erfuhr sie von ihrer Vermittlerin, dass sie nicht nach Österreich sondern nach Deutschland kommt. Sie kam nach Mainz Drais, das nur 12 km von mir entfernt liegt. Wir haben uns dann nach über drei Wochen einmal an ihrer Arbeitsstelle (Pflege einer älteren Frau im Rollstuhl) getroffen und aus diesem einen Treffen wurden mehr. Nach 6 Monaten haben wir uns verlobt und fahren seitdem zusammen die Reisen nach Rumänien (in ihre Heimat) um den Menschen dort zu helfen.
Seit Sommer 2013 fahren wir in die Stadt Bistrita zu einem Pastor einer freien christlichen Kirche mit ca. 1200 Seelen im Gottesdienst und 16 kleinen Kirchen im Umkreis in den Dörfern. Dort können wir die gespendeten Sachen an arme Familien und Witwen/Witwer in den kleinen Dörfern verteilen. Wir können diese Sachen direkt an die Menschen geben, die es dringend benötigen und oft in sehr schlechten verhältnissen leben.
Diese Hilfe wird dort sehr dringend benötigt und wir freuen uns sehr, dass wir dort diese Hilfe die noch viel zu wenig ist, bringen dürfen.

Das ist der Ruf den ich von unserem Herrn und Gott bekommen habe, dem ich sehr gerne folgen will.

Mein Ziel und meine Vision ist es, dort in Rumänien irgendwann nicht nur in diesem einen Kinderdorf, Kinderheim oder den Menschen in den Dörfern helfen zu können und Gottes Liebe so weiter zu geben, sondern vielleicht auch irgendwann den vielen, vielen Kindern in dem Land etwas geben zu können, das sie nicht haben und nicht kennen. Etwas geben zu können, wo sie besonders in den Wintermonaten bei bis zu minus 30 / 35 Grad bleiben können ohne zu frieren oder zu erfrieren. Den Kindern dort jeden Tag wenigsten eine Mahlzeit geben zu können. Vielleicht wirkt sich das dann einmal auch auf das ganze Land aus und die Regierung dort erkennt, dass sie hier etwas machen müssen.
Ich weiß, dass das alles nicht von heute auf morgen oder innerhalb eines Jahres oder ein paar Jahren bewerkstelligt werden kann. Aber es kann hier ein weiterer Anfang gemacht werden, indem ich öfter dort hinfahren kann und mehr tun kann. Aber um das tun zu können reicht mein Gehalt, den ich hauptberuflich verdiene nicht aus. Und da ich diese Arbeit, diesen Ruf ehrenamtlich ausübe, ohne von irgendjemanden etwas dafür zu bekommen und ich jede Reise selbst finanziere, ist es mir leider nicht möglich mehr dafür zu tun. Ich will dort mehr helfen und unterstützen.

Um diesem Ruf, dieser Vision ein Stück weit näher zu kommen und zu folgen habe ich mich entschieden, ab 01.01.2011 nicht mehr 5 Tage pro Woche arbeiten zu gehen, sondern nur noch vier Tage. Ich habe jeden Freitag frei, an dem ich diverse Vorbereitungen für die Reisen erledigen kann. An diesem Freitag helfe ich auch Menschen in meiner näheren Umgebung bei handwerklichen Arbeiten und Sachen die sie selbst oft nicht machen können. Für das alles reichte meine Zeit an den Abenden, Samstagen nicht mehr aus.
Weiter habe ich auch mit meinem Arbeitgeber vereinbart bis zu 30 Tage im Jahr zusätzlich zu meinem Urlaubsanspruch unbezahlt freigestellt zu werden, damit ich mehrere solcher Reisen und Einsätze unternehmen kann.
Das ist eine großartige Unterstützung meines Arbeitgebers, die nicht von jedem so zu erwarten ist.
Natürlich fehlt dadurch einiges an Finanziellen jeden Monat. Zumal ich auch hier in Deutschland eine Wohnung habe und Miete bezahlen muss, und für meinen Sohn der bei meiner geschiedenen Frau lebt Unterhalt bezahlen muss. Gar nicht zu sprechen von Kosten die mein Auto noch bringt, das bereits 180.000 km auf dem Tachometer hat und natürlich da auch Reparaturen fällig sind. Und mit dem ich die ganzen Fahrten unternehme.
Aber ich will das alles in Kauf nehmen um meiner Vision, meiner Berufung zu folgen und den vielen armen und bedürftigen Kindern und Menschen helfen zu können. Ich weiß ich kann nicht allen Menschen auf der Welt helfen, aber ich kann ein kleines Stück weit die Welt dadurch verändern und ein kleines Stück Liebe und Geborgenheit die von Gott kommt weiter geben.

Ich habe auch in den vergangen Jahren immer wieder in der Karwoche, Montag bis Karfreitag, voll gefastet (nur Wasser getrunken und nichts gegessen), um Gott näher zu kommen und mehr über meine Berufung von ihm zu hören, seinen Segen zu erbitten und die nächsten Schritte zu erfahren.
Im Jahr 2011 habe ich 40 Tage vor Karfreitag voll gefastet um Gott um Unterstützung und Versorgung für meine Berufung zu bitten, auf seinen weiteren Weg für mich zu hören und nicht zuletzt und vor allem um Hilfe für die Not, das Elend und die Armut für diese Kinder und Menschen zu beten.
Im Jahr 2010 habe ich auch meine Wohnung (2 Zimmer mit Küche und Bad) aufgegeben und bin in eine kleinere Wohnung mit nur einem Zimmer, Kochecke und Dusche umgezogen. Die Miete für diese Wohnung ist um die Hälfte billiger als vorher und ich habe so mehr Geld für die Reisen über.

Wenn sie sich angesprochen fühlen und diese Arbeit unterstützen wollen, ersuche ich sie für mich zu beten und mir dabei finanziell zu helfen. Ich werde sie halbjährlich über die Reisen und Unternehmungen per E-Mail oder Post informieren und auch Bilder mitschicken.


Vielen Dank für ihre Hilfe und Unterstützung
Gott segne sie
Ihr
Dieter Rois



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Hans Dieter Rois
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Verwendungszweck: Rumänien

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